Was mach ich nur?

Nachdem ich in drei Nächten viele halbstarke wilde Schuppenkarpfen an einem mehrere hundert Hektar großen Natursee gefangen hatte, meine Motivation jedoch allmählich den Bach runter ging, packte ich etwas planlos mein Tackle in den Bulli…

„Erstmal ins Meer springen und mich unters Volk mischen“ sagte ich mir, also fuhr ich zum zehn Minuten entfernten Strand an der Atlantikküste.

Als ich an diesem Tag zufällig einige Deutsche Surfer am Strand kennenlernte und sich der Strandparkplatz immer mehr als Sammelpunkt entlarvte, verbrachte ich den Abend zusammen mit den anderen „Vanlifern“ auf dem Parkplatz.

Auch wenn ich den Abend absolut genoss, mochte ich das Schlafen auf einem asphaltierten Parkplatz nicht wirklich. Das Aufwachen in der Natur, in der ich nicht direkt 100 Menschen sehe die am Auto entlang zum Strand pilgern, ist da schon eher mein Ding. Am nächsten Morgen fühlte ich mich daher schon wieder etwas fehl am (Park)Platz und im Kreise der Surfer konnte ich irgendwie auch wenig mitreden, da stellte ich als Angler dann doch eher den Exoten dar. Also verzog ich mich nach einem Kaffee wieder und verbrachte den heißen sommerlichen Tag wieder mal mit der Suche nach angelbaren Optionen. Dabei entsprach – wie in der letzten Zeit häufiger – nichts meinen Vorstellungen. Ich war völlig planlos und ärgerte mich selber über meine Planlosigkeit. In solchen Situationen hilft nur noch eins: Mit ordentlich Sport wieder zu Laune zu kommen. Mit Hilfe einer App suchte ich mir einen „Freeletics Spot“ der auf dem Weg lag, powerte mich ordentlich aus und fuhr an einen beliebten, kostenfreien Stellplatz in einem Pinienwald direkt am Meer. Dort beobachtete ich zusammen mit vielen anderen „Vanlifern“ den Sonnenuntergang an diesem milden Samstagabend.

Ich merkte wie ich zunehmend den Kontrast zwischen absoluter Abgeschiedenheit und der Zivilisation suchte. Je nachdem wonach mir gerade war, entschied ich daher intuitiv wohin es mich führte. Meine Entscheidung konnte sich dabei auch mehrmals am Tag ändern und ich wusste am Ende selber nicht mehr so wirklich was ich denn genau wollte: Angeln? Strand? Meine Ruhe oder doch lieber Kontakt??  Dabei stellte ich immer wieder fest, dass es die perfekte Situation nie gibt, da ich mir diese immer im Kopf als Illusion zurechtlegte und es in der Realität immer anders kam. Eventuell ist das einer der Effekte die man als Alleinreisender bekommt,  da ich diese Erfahrungen nun schon häufiger mit anderen Gleichgesinnten teilen konnte.

Au revoir Atlantique

Für den nächsten Tag plante ich einen letzten Location-Check an einem der Großgewässer der 1000ha Kategorie in meiner Nähe, um dann zu entscheiden wie ich meine Tour fortsetze. Als ich nach einer Fahrradtour in meinem favorisierten Gewässerbereich ernüchternd feststellte, dass die dort vorhandenen Nachtangelzonen nur von Februar bis Ende April geöffnet sind, hakte ich kurzer Hand das Projekt „großer Natursee“ ab und fuhr entlang der Küste über Biarritz in Richtung Spanische Grenze.

Die weitläufigen Strände mit den großen Pinienwäldern wurden immer mehr durch die Felsen und Klippen der nahegelegenen Pyrenäen abgelöst. Durch die starke touristische Bebauung wurde es dort immer schwieriger einen schönen Stellplatz in der Natur in Meeresnähe zu finden.

Enttäuscht schlug ich den Weg zurück ins bergige Inland ein. “Das wars dann wohl mit meinem Aufenthalt am Atlantik.“ So schön es dort auch war, aber ganz ohne zufriedenstellende Optionen zum Angeln fehlte mir dann doch der Sinn, dort weiter meine Zeit zu verbringen.

…Kurzzeitig spielte ich sogar mit dem Gedanken das Surfen zu lernen, um mich dem Lifestyle dieser Region besser anzupassen…
(Anmerkung der Redaktion: das hatte wohl weniger mit dem Lifestyle als mit den Chicks zu tun -> young gun)

Heiße Tage

Als ich am Rande einer Kleinstadt auf einem Parkplatz eine unruhige Nacht verbrachte, da französische Jugendliche bis spät in die Morgenstunden Krawall machten und dabei wenig Rücksicht auf einen im Van schlafenden Deutschen nahmen, ging es am nächsten Tag unausgeschlafen auf Gewässertour. Am Fuße der Pyrenäen gab es reichlich neue Stauseen zu entdecken, die mir einen weniger beangelten Eindruck machten.

Am dritten angefahrenen Gewässer war alles zu meiner Zufriedenheit und ich war motiviert genug, mal wieder mein Boot aufzupumpen, zu beladen und mir eine Stelle an diesem menschenleeren Stausee zu suchen. Wie immer nahm ich mir viel Zeit dafür, um bestenfalls Fische zu sehen und in deren Nähe zu angeln. Durch die anhaltende Hitze der letzten Tage von über 30 Grad, suchten die Fische Schatten unter den überspülten Bäumen und Büschen im Flachwasserbereich. 25 Grad Wassertemperatur zeigte mein Echolot an der Oberfläche. Kaum Wind und keine Besserung für die kommenden Tage in Sicht. Nicht unbedingt die besten Bedingungen, um Sternstunden zu erleben. Was soll’s! Ich wählte einen Platz an dem ich die meisten Fische ausmachen konnte und durch dessen gute Lage im Kiefernwald ausreichend Schatten gegeben war.

Sommer, Sonne, Fische drillen

Es dauerte nicht lange bis sich noch am ersten Abend eine Rute meldete, die ich den Fischen im flachen Wasser quasi direkt vor die Nase gelegt hatte. Bis zum nächsten Tag hatte ich schon 4 Fische auf der Habenseite. Die warmen Temperaturen schienen die Fische dort scheinbar weniger zu stören. Der See machte – wie auch der letzte beangelte See am Atlantik – einen etwas überbesetzten Eindruck auf mich, an dem es mir schwierig erschien, einen größeren Fisch zu fangen (sofern es solche dort überhaupt gab). Da ich gerne an Gewässern angle von denen ich wenig Informationen habe, fehlte mir auch dort wieder der Einblick über die Fischpopulation. Für mich ist es umso interessanter, an solchen Gewässern etwas „Pionierarbeit“ zu leisten und mir persönlich einen groben Überblick über die dort vorherrschenden Verhältnisse zu schaffen. Das machte ich auch an diesem See und ich fand mich mehrmals über den Tag verteilt, bei praller Hitze im Drill wieder und konnte den ein oder anderen Fang mit einer willkommenen Abkühlung im Wasser ablichten. Die Zeitfenster dazwischen verbrachte ich in meiner im Schatten befestigten Hängematte. Mein persönliches Highlight des Tages: „der Einäugige Fully“. Es hätte schlechter sein können…

Einfach weiterfahren

Am zweiten Abend konnte ich einen der besseren Fische des Sees landen, der sich allerdings zuvor nach kurzem Drill in einem Hindernis festgesetzt hatte. Als ich mit dem Boot zum Fisch fuhr, hatte er sich zum Glück schon selber befreit und ich konnte relativ problemlos den Schuppi einnetzen. Die regelmäßigen Aktionen und der angenehm schattige Platz, ließen mich dazu entscheiden eine weitere Nacht zu bleiben. Auch wenn die Bisse über den Tag weniger wurden, konnte ich in der Nacht noch zwei weitere schöne Fische in die Kamera halten. Ohne genau zu wissen wohin, wusste ich dass ich einfach weiterfahren wollte. Während des Verladens des Tackles gab mir ein netter Franzose, den ich an der Slipstelle getroffen hatte, einige Städtetipps, die auf meiner grob geplanten Route Richtung Mittelmeer lagen. Dankend nahm ich diese Infos an und bot als Gegenleistung Starthilfe für sein nicht mehr anspringendes Auto.

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Liebe Grüße,
Daniel & Alex

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