Zurückgezogen

Als sich die Wege von Christoph, Julian und mir in den französischen Alpen trennten, brauchte ich mal wieder etwas Zeit für mich alleine. Etwas Arbeit die ich am PC zu erledigen hatte, habe ich in der letzten Woche gemeinsamen Angelns nach hinten geschoben. Mein dadurch entstandenes schlechtes Gewissen war der Anlass dafür mich für kurze Zeit zurückzuziehen, um mich auf andere Sachen als das Fische fangen zu konzentrieren.

Zwei Tage verbrachte ich an abgelegenen Orten in den tiefen Wäldern der Nationalparks nahe der Cote d‘ Azur.  Dort hatte ich genug freie und klare Gedanken die ich für’s schreiben am PC benötigte. Die Ruhe und die fern gewusste Zivilisation taten nach zweieinhalb Monaten im Alltag der Heimatstadt unheimlich entschleunigend.

Ein spontanes Treffen

Als ich das Gefühl hatte meine selbst auferlegten „Pflichten“ getan zu haben, begab ich mich an den Strand der Cote d‘ Azur um eventuell das letzte mal für dieses Jahr ins Meer zu springen. An der Promenade von Sanary sur Mer konnte man wunderbar entlang spazieren und das gute Wetter zelebrieren.

Am Nachmittag stattete ich ganz spontan einem französischen Angler, der in der Nähe wohnt, einen Besuch ab und verbrachte den Abend in guter Gesellschaft bei Lucas im Haus.

…Diese spontanen und ungeplanten Begegnungen und Treffen machen für mich das Reisen im Ausland so wertvoll und zudem was es am Ende ist: Ein Abenteuer in das man sich unvoreingenommen hineinstürzt und ohne Erwartungen einfach geschehen lässt…

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Der nächste Tag begann grau und verregnet und ließ mich den ursprünglichen Plan, die Stadt Aix-en-Provence zu besuchen, verwerfen. Dafür ging es bei stetig besser werdendem Wetter in die urige Stadt Argeles sur Mer.

Von dort aus steuerte ich zügig zum „Teufelssee“ um einen alten Bekannten zu treffen, der sich aktuell auf ähnlichem Kurs befand um für unbestimmt Zeit im Süden zu fischen. Der Treffpunkt war derselbe an dem wir uns im letzten Jahr kennen lernten. Den Abend verbrachten wir ohne zu angeln auf einem Parkplatz am Wasser. Am nächsten Tag entschieden wir weiter zufahren da sich am gesamten See ein Übermaß an Anglern befand und uns die Lust am Fischen nahm. 

Wo ist das ganze Wasser hin?!

Nach knapp drei Stunden Fahrt standen wir am nächsten Gewässer und stellten mit erschrecken fest das der See enormes Niedrigwasser führte. Das schrumpfte die Fische und die Angler auf einen sehr eingeschränkten Raum zusammen. Für mich war dieser Umstand irgendwie abschreckend, daher überzeugte ich Clemens erneut den Motor zu starten, um einen weiteren See abzuchecken.

Zwar war dort der Wasserstand ähnlich gering, durch seine Topographie jedoch um einiges freier und weitläufiger zu beangeln.

Der Blank nimmt seinen Lauf

Wir wählten einen Platz der einfach mit den Autos zu erreichen war um es dort die ersten Tage zu versuchen. Nach fünf Nächten mit einem Satzkarpfen sowie einem verlorenen Fisch für mich und mehreren Satzkarpfen für Clemens wechselten wir die Stelle, um etwas mehr Ruhe vor den „einslippenden“ Raubfischanglern zu bekommen.

Die neue Stelle bot absolute Ruhe und etwas Schutz für den vorhergesagten Wind die kommenden Tage. Mit dem Wind kamen zwei Tage Dauerregen. Genau so sahen auch unsere Plätze aus: Der Boden war völlig aufgeweicht, die Boote standen voll Wasser und überall klebte der Schlamm. 

Mit der Schlechtwetterfront kamen auch die Fische. Vor allem wurden sie Größer- doch leider nur bei Clemens. Ich hockte daneben und schaute blöd aus der Wäsche. Anfangs redete ich mir nur einen Zufall ein, doch nach dem dritten gefangenen besseren Fisch von ihm war der Unterschied nicht mehr zu übersehen. Meine Ruten lagen auf guten Plätzen, teilweise in nächster Nähe zu einer mehrfach Fisch gebrachten Rute von Clemens. Doch meine Bissanzeiger schwiegen. Nach drei Nächten ohne Aktion nahm der Frust stetig zu. Der schlammige Platz und die immer knapper werdenden Lebensmittelvorräte trugen den Rest dazu bei. 

Frustrierende Tage

Ich hatte keinen Bock mehr auf den Platz, den See – überhaupt hatte ich keine wirkliche Lust mehr zu Angeln. Am liebsten hätte ich eine Pause eingelegt aber irgendwie konnte ich nicht so einfach aufgeben. Schließlich war die vermeintlich „Beste Zeit“ des Jahres im Vormarsch und die wollte ich nicht einfach an mir vorbei ziehen lassen. Der letzte vernünftige Fisch den ich gefangen hatte lag schon einige Zeit zurück und so langsam wurde es mal wieder Zeit einen guten aus dem Wasser zu kurbeln.

Ich bin gespannt wann der Bann bei mir gebrochen wird…

Nach 10 Tagen entschlossen wir den See zu verlassen um unsere Vorräte aufzufüllen und gemeinsam weiter zu ziehen.

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