Wegen der schlechten Wetteraussichten beschlossen Bruno und ich in der zweiten Woche unseres „Roadtrips“ den Aufbruch Richtung Süden…

Fest gefahren

Etwas unsicher fuhr ich den zerstörten Waldweg hinauf, der durch den Regen des Vortags in einem noch schlechteren Zustand war. Mit Brunos Hilfe manövrierte ich meinen überladenen Bulli aus dem Wald hinaus auf den befestigten Feldweg. Die neue Route ging an einen etwas kleineren, mir unbekannten See nur etwa eine Stunde entfernt. Die schlechte Beschilderung am See führte uns in eine enge Sackgasse aus der wir nur durch langsames Rückwärtsfahren wieder hinaus kamen. Als ich eine kleine Wiesenfläche zum wenden nutzen wollte, fuhr ich meinen Bulli dabei mal wieder gekonnt fest. Es gab kein Vor und Zurück kommen ich verfluchte wie in der Vergangenheit so oft meinen Frontantrieb. Zum Glück war ich diesmal nicht alleine und wir konnten mein Auto mit Hilfe meines Abschleppseils und Brunos Auto bergen. Mit übler Laune hatte ich den See in Gedanken schon abgehakt, als mein Navi mich auf der Straße zum Hauptseeteil navigierte und sich dieser in einem ganz anderen Bild vor uns erstreckte. Das Feuer in mir war wieder entflammt und wir suchten direkt eine Slipstelle, um so nahe wie möglich ans Wasser zu kommen. Der trübe, flache Flachwasserbereich den wir zuerst angefahren hatte wurde im großen Seekörper zu einem der klarsten und türkisensten Gewässer, die ich bisher gesehen habe. Wir wollten es an diesem See auf jeden Fall versuchen und beluden zügig unsere Boote. Während des Beladens wurde durch die Nachricht zweier Passanten meine Euphorie erneut gedrückt: Am See werden regelmäßig Autos aufgebrochen und wir sollten Acht auf unsere Vans geben.

Die Urwaldstelle

Mit einem mulmigen Gefühl ging es auf den See, den Blick dabei ins klare Wasser gerichtet. Eine Sichttiefe von locker drei Metern bot uns einen perfekten Einblick in die sandigen, teils felsigen Ufer des Sees. Einige Fische konnten wir beim Übersetzen sehen, dennoch nahmen wir Kurs auf das trübe Flachwasserareal. Die Bedingungen schienen dort durch die vielen überhängenden Bäume und das seichte noch wärmere Wasser ideal. Nach ausgiebiger Location entschieden wir uns für den wohl unkomfortabelsten Platz den der See zu bieten hatte, dafür punktete er mit der Möglichkeit zwei interessante kleine Buchten zu beangeln in denen wir in den überhängenden Bäumen während unserer Location die meisten Karpfen sehen konnten. Erst Abends um 9 waren die Ruten fertig gelegt und nur eine Stunde später bekamen Bruno und Ich fast zeitgleich mit einem plötzlich einsetzendem Wind der sich durch den Gewässerschlauch drückte, einen Biss. An völlig unterschiedlichsten Spots landeten beide Fische im Kescher und nach dem abhaken auch direkt wieder im Wasser, da beide Fische kleinere Exemplare waren. Wir fingen an unserer Urwaldstelle konstant Karpfen von denen die wenigsten die zehn Kilomarke überschritten. Ein Spot von Bruno lief so gut das die Rute meist keine 15minuten lag, bevor der nächste Fisch einstieg. Nach zwei Nächten fragten wir uns ob wir uns durch diesen „Kindergarten“ durch angeln sollten oder es an einem anderen Spot im Freiwasser versuchen sollten, worauf wir uns einstimmig dafür entschieden den Platz zu wechseln. Die Komforteinbußen sowie der permanente Schatten an dieser Stelle trugen zu unserer Entscheidung bei. Wir überquerten fast den kompletten See bis zur Staumauer als wir kurz entschlossen den Entschluss fassten erneut das Gewässer zu wechseln, da wir uns einig waren den besten Gewässerbereich befischt zu haben.

So sprunghaft wie das diesjährige Frühjahr änderte ich auch die Ziele während unserer Tour, also setzten wir uns nach dem Verstauen unseres Tackles in die Autos…

Der Trip geht weiter

Wir hatten schon vor einigen Tagen als Endziel für unseren gemeinsamen dreiwöchigen Trip einen See im Blick, den ich nun schon häufiger beangelt habe und an dem ich mich immer wohler fühlte. Auf dem Weg zum „Holzsee“ lagen einige kleine, unscheinbare Flüsschen die mit Nachtangelzonen ausgeschildert waren und zu einer schnellen Nacht einluden. Da zu dieser Zeit gerade Pfingstwochenende war und das Wetter zudem noch hervorragend, trieb es viele andere Angler an die Gewässer und wir fanden nach längerer Suche keine unbeangelten Plätze oder direkte Zufahrtswege an die Flussufer. Am späten Nachmittag warf ich den geplanten Zwischenstopp für eine „Shortnight“ am Fluss über den Haufen und wir fuhren direkt zum Holzsee. Glücklicherweise stand ich in Kontakt mit Michael der sich zu dieser Zeit am See aufhielt und mir die aktuelle Stellenlage berichtete. Wir fuhren also noch einmal 1,5 Stunden, bis wir am Abend bei Michael mit einem kühlen Bier auf unser Wiedersehen anstoßen. In unserem Beisein kurbelte er nebenbei einfach mal einen dicken Spiegler aus dem Holz!! Bonne merde mein Freund!!

Endstation Holzsee

Heiß von der Aktion bei Michael, machten Bruno und ich uns an einer nahgelegen Stelle an das Aufbauen und Auslegen der Ruten. Bis zum dunkel werden präsentierte ich drei Montagen entlang einer Baumkante, die ich wie in den meisten Fällen an diesem See, im „Hook and Hold Style“ platzierte. Drei Pieper am Morgen ließen mich von meiner Liege aufschrecken, mit der zum bärsten gebogene Rute  lief ich einige Meter nach hinten um den wütenden Fisch vom Holz wegzuziehen. Anschließend musste ich ins Boot um den Fisch im Uferbereich sicher zu landen. Der starke Wind erschwerte den Bootsdrill zusätzlich, durch das Rückwärtsfahren gegen die Wellen gelang es mir jedoch das Boot auf Kurs zu halten. Als der Fisch erschöpft an der Oberfläche lag, wollte ich ihn mit den Wellen in den Kescher treiben lassen- einen kurzen Augenblick später erfasste der laufende Motor das Netz, was zum brechen des Gestänges führte. Manövrierunfähig mit der gebogenen Rute in der einen Hand versuchte ich mit der anderen das Netz aus dem Motor zu befreien. Dem Unterwasserwald gefährlich nahe entgegentreibend, gelang es mir kurz vor dem Anfang der Bäume das Netz aus der Schraube zu reißen und mit Volldampf von den Hindernissen wegzusteuern. Zum Glück bemerkte Bruno die ungünstige Situation und kam mir auf voller Fahrt mit seinem Kescher entgegengefahren. Der Fisch lag schon mehr als bereit zum keschern an der Oberfläche und wurde direkt im vorbei fahren von Bruno eingenetzt. Was für eine Aktion!! Völlig aufgedreht fuhren wir nur langsam gegen den Wind vorankommend an unser Ufer und lichteten den Schuppi ab. Zwei weitere Fehlbisse am ersten Vormittag folgten. Da wir die nächsten Tage in unregelmäßigen Abständen immer wieder Fische fangen konnten, entschieden wir uns Brunos letzte Woche komplett am See zu bleiben. Die Fischaktionen waren gerecht verteilt, sodass wir keinen Grund mehr sahen noch einmal die Stelle zu verlassen. Die letzten Wochen waren weniger entspannt und ich war etwas müde von den häufigen Seewechseln innerhalb kürzester Zeit. Immer mit dem Hintergedanken es meinem Besuch recht zu machen, passierte es mir dabei schnell mich selber außeracht zu lassen und so war ich mehr als bereit für eine Angelpause und fieberte der kommenden Zeit in der ich wieder alleine unterwegs sein würde motiviert entgegen.

Durch die letzten Wochen in denen ich dauerhaft Besuch hatte, merkte ich wieder wie man sich,- seine Ansichten und sein Verhalten durch das Allein Reisen verändert. Auch wenn ich keinen typischen „Arbeitsalltag“ habe, habe ich mir einen gewissen Tagesablauf angewöhnt durch den ich zufrieden und ausgeglichen durch den Tag gehe. Wird dieser gestört, kommt mein inneres Gleichgewicht immer mehr aus dem Rhythmus und ich werde zunehmend launisch und unausgeglichen, was meine Mitmenschen unter Umständen spüren können. Die Zeit sich mit dem eigenen „Selbst“ auseinander zusetzen ist vielen Menschen im hektischen Alltag abhandengekommen. Durch die Informationsflut verschiedener Medien fällt es immer leichter sich abzulenken, man steht unter dauerhaftem Beschuss unnatürlicher Reize. Dadurch distanziert man sich unbemerkt immer weiter von seiner eigenen Persönlichkeit. Ein Aspekt der mir während des Reisens immer bewusster geworden ist, daher konsumiere ich Medien immer bewusster und verzichte schon längere Zeit auf alle Art von Nachrichten.

Verfrühte Abreise

Neben einem extrem kompakten Schuppi der genauso hoch wie lang war konnten wir einen Spiegler fangen der innerhalb von 6 Tagen dreimal an unterschiedlichen Stellen bei Michael, Bruno und mir gebissen hatte, was für eine Fressmaschine!!

Als am vorletzten Tag erneut ein so starker Wind am See aufkam der unser Angeln kaum noch möglich machte, da die Spannung der Schnüre so hoch wurde das die Swinger unter den Blanks klebten, die Ruten dauerhaft gekrümmt waren und wir die Bisse durch die Hook And Hold Angelei kaum noch von einer starken Windböe unterscheiden konnten, entschieden wir uns nach einigen verlorenen Fischen aus Vernunft am nächsten Tag den See- einen Tag vor Brunos geplanter Abreise, zu verlassen. Wir waren beide nicht böse darüber. Den stürmischen letzten Tag verbrachten wir in gemütlicher Runde zusammen mit Michael abgeschottet hinter unseren Autos am Grill. Für mich sollte es am nächsten Tag, endlich in die Atlantikregion gehen. Dieses Ziel stand schon seit einer Weile fest, verschob sich aber durch die spontanen Besuche immer wieder nach hinten. Ein bisher völlig unbekannter Teil des Landes lag vor mir und weckte wieder die Abenteuerlust in mir. Zuerst aber brauchte ich eine kurze Angelpause…

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