Im Bann des Dschungels

Langsam fuhr ich mit meinem beladenen Boot und fokussiertem Blick durch die Polbrille entlang der überschwemmten Ufer in einen Gewässerbereich, den ich als Treffpunkt mit Christoph gesetzt hatte. Da Christoph noch an der Slipstelle beschäftigt war, blieb mir genug Zeit in den windgeschützten Buchten nach Fischen zu suchen. Ich ließ mich durch den Dschungel treiben und stand geräuschlos auf dem Schlauch meines Bootes. Absolute Ruhe – nur die natürlichen Umgebungsgeräusche und das Vogelgezwitscher zogen mich voll in ihren Bann und ließen mich komplett mit dem Moment verschmelzen. Ungefähr eine Stunde schlängelte ich mich mit dem Boot von Busch zu Busch durch das Unterholz. Nur einen kleinen Schuppi konnte ich dabei erspähen. Wie schon bei meiner Locationrunde vor 4 Tagen, bei meiner Ankunft am See, dachte ich: Die Fische können überall sein und sind überhaupt nicht auf uns Angler angewiesen, die ihr Futter irgendwo in ungeschützte Bereiche verstreuen.

Jetzt wird mal wieder richtig geangelt!!

Christoph und ich entschieden uns für eine kleine Landzunge, von der wir die Möglichkeit hatten eine kleine windgeschützte Bucht sowie interessante Bereiche vor den Füßen zu beangeln. Nach dem Legen der Ruten kochten wir uns während guter Gespräche ein leckeres Abendessen. Christoph war auch einer dieser seltenen Personen mit denen ich mich auf ähnlicher Wellenlänge befand. Demzufolge hatten wir uns allerhand auszutauschen und viel zu philosophieren.

Die erste Nacht verlief ruhig und wir schmiedeten am Morgen direkt Pläne für die kommenden Tage: Wir wollten die Fische suchen. Für mich hieß das endlich mal wieder richtig angeln. Da ich in letzter Zeit viel am Laptop gearbeitet hatte, war das Angeln oft etwas in den Hintergrund gerutscht. Nachdem Christoph und ich den sonnigen Tag in unserem Dschungelcamp genossen, etwas Sport getrieben und einfach nur die Seele baumeln gelassen hatten, konnte Christoph am Abend seinen ersten Fisch fangen. Nach dem der Schuppi abgelichtet war, ließen wir ihn direkt wieder schwimmen und wir legten uns motiviert auf die Liegen. Wir wollten am folgenden Tag den Platz wechseln, sofern wir in der Nacht keine weiteren Aktionen bekommen würden.

Spotwechsel

Wie geplant packten wir am Vormittag nach einem Kaffee unsere Sachen. Da wir beide unsere Ausrüstung ähnlich minimalistisch und mobil ausgerichtet hatten, befanden wir uns schnell mit den beladenen Booten auf dem Wasser. Der windstille, sonnige Tag war hervorragend zum Location machen und so fuhren wir entlang des Ufers den halben See ab. Das Resultat: viele kleine Brassen, KEIN einziger Karpfen!! Etwas ernüchtert entschieden wir uns erneut für „meine einsame Insel“, die ich bevor Christoph zu mir gestoßen war, bewohnt hatte. Diesmal ging es auf eine Landzunge auf der wir allerhand Möglichkeiten hatten unsere Ruten weiträumig zu fächern. Wir waren guter Dinge, schließlich hatte ich in diesem Bereich vor drei Tagen zwei Aktionen gehabt… Als noch am Abend meine tiefe Rute auf fünf Meter Tiefe wie von Sinnen abfeuerte, waren wir erstaunt über die rasche Aktion. Noch während des heftigen Drills bei dem mich der Fisch über 500 Meter über den See zog, erahnte ich schon, dass ich mal wieder einen Wels gehakt habe. Etwa eine halbe Stunde kämpfte ich mit dem Ungetüm, bis sich der gut 1,50 m lange Wels endlich ergab.

Wetterwechsel – optimale Bedingungen oder Blankwetter?!

Für den nächsten Tag stand uns ein krasser Wetterwechsel bevor und wir waren gespannt, wie sich dieser auf das Beißverhalten auswirken würde. Der Luftdruck sollte in den Keller fallen und eine kalte Regenfront sollte die kommenden Tage über Südfrankreich hinwegziehen. Wir fragten uns ob so ein rapider Umschwung wirklich die Fische zum Fressen animieren würde?! Uns jedenfalls stimmte es nicht unbedingt glücklich und wir hockten bei 10 Grad und Dauerregen unter meinem Schirm. Christoph war etwas schockiert über das südfranzösische „Frühlingswetter“, ich war es schon gewohnt und zum Glück hatten wir beide ausreichend warme Klamotten dabei, um dieses Dilemma auszusitzen. Ohne jegliche Aktion an unseren acht Ruten verging der triste Tag und ließ uns auf die nächsten Tage hoffen. Ich redete mir ein, dass die Fische Zeit brauchten, mit diesen Bedingungen klar zu kommen. Christoph hoffte vermutlich auf die Wahrheit meiner positiv gestimmten Worte… (irgendwie muss man sich ja solch widrige Situationen schön reden)

Drei Tage verbrachten wir eingepfercht auf den wenigen trockenen Quadratmetern. Die Wassertemperatur fiel von 17,5 auf 15 Grad. Ein solcher Temperatursturz in dieser Jahreszeit konnte nicht gut sein, egal was die „Luftdruckgurus“ behaupten.

Der Unmut wächst             

Nachdem sich am vierten Tag das Wetter wieder einigermaßen stabilisiert hatte, wollten wir erneut den Platz wechseln. Ich beharrte darauf den bisher außer Acht gelassenen, tieferen Gewässerbereich anzuschauen – Christoph folgte mir skeptisch. Als ich mich kurze Zeit später selbst davon überzeugen konnte, dass ein Versuch hier zu angeln zwar möglich, jedoch nicht die beste Wahl war, fuhren wir zurück über den windigen großen Seekörper, um uns nach hin und her Überlegen sowie wachsender Unsicherheit in eine Bucht zu platzieren, die im Frühjahr mit Sicherheit eine gute Wahl sein musste. Da wir seit etwa zwei Tagen freie Stellenwahl an diesem großen See hatten, war auch dieser Seeteil unbeangelt und wir beschlossen, es dort für eine Nacht zu versuchen. Wir waren genervt und energielos vom Wetter und vom Moven. Meine Boots Akkus waren derweil auch restlos aufgebraucht und die ausbleibende Sonne verwehrte mir das Laden mit dem Solarpanel. Das erste Mal auf meiner Tour stoß ich mit meinen Energiereserven an die Grenzen und war auf die Energie der Sonne so abhängig wie selten zuvor. Eine weitere erfolglose und verregnete Nacht folgte. An Schlaf mangelte es uns in dieser Zeit auf jeden Fall nicht…

Endlich wieder Sonnenenergie!!!

Das Wetter entwickelte sich am nächsten Tag wieder etwas positiver und die Sonne kämpfte sich immer wieder durch die Wolken. Die Fische schienen wieder etwas lebhafter und so bekam ich in der zweiten Nacht an diesem Platz einen Biss auf meiner Rute, die gefährlich nah an einem überschwemmten Gebiet auf 200 Meter Distanz lag. Erleichtert, endlich mal wieder einen Karpfen gefangen zu haben, lichteten wir den Fisch ab und legten uns noch einmal nieder. Trotz der Aktion wollten wir am nächsten Tag erneut die Stelle wechseln, da uns ein Fisch in zwei Tagen nicht überzeugte, diesen Platz weiter zu befischen. Außerdem mangelte es uns hier an Möglichkeiten unsere Ruten effizient zu legen.
Noch am Vormittag bezogen wir die im Wind gelegene Spitze der mittlerweile schon sehr bekannten Insel. Relativ schnell waren die Ruten positioniert und wir nahmen ein ordentliches Mittagessen nach französischer Art: Baguette mit regionalem Käse und eine gute Flasche Rosé.


Voller Hoffnung gingen wir in die erste Nacht. Schließlich waren zwei ufernahe Spots die Christoph seit zwei Tagen mit weißen Boilies befütterte, immer wieder leer gefressen…einen besseren Indikator gab es nicht, eigentlich…
Mit der Zahnbürste im Mund war ich gerade dabei, mich „Bett fertig“ zu machen als sich meine Rute vor einem Busch am anderen Ufer meldete: Kontakt Aufnahme – Wels! Verdammt! Irgendwie hatte ich es dieses Jahr mit dieser Fischart. 

Es folgte ein wunderschön sonniger Tag, an dem ich endlich mal wieder die leeren Batterien vollladen konnte. Von Karpfen fehlte weiterhin jede Spur. Weder bei unseren Erkundungstouren bis tief ins Unterholz noch beim abendlichen Lauschen in die Stille der Nacht konnten wir eindeutige Indizien vernehmen, die auf Karpfen schließen ließen. Sehr frustrierend und irgendwie stieg die Anspannung, dass merkte man uns an und hätte vermutlich auch ein Außenstehender direkt wahrnehmen können. Christoph‘s Boilies verschwanden weiterhin spurlos ohne jegliche Aktion an seiner Rute, da half das ausgeklügeltste Rig nichts, zum Verrücktwerden! Nach der dritten Blanknacht auf unserer trotzdem wieder liebgewonnen Insel entschieden wir uns am Morgen während unseres Kaffee’s ganz spontan für einen Seewechsel, um Christoph’s letzten beiden Tage eventuell doch noch mit einem Karpfen zu beenden und mein Geburtstag an einem wettertechnisch besser gelegenen Ort zu verleben. Das Wetter für die nächsten drei Tage sah frustrierend aus: In der kompletten Region war erneut mit heftigen Niederschlägen, Wind und fallenden Temperaturen zu rechnen. Diesem Wetter wollten wir auf keinem Fall auf der Insel ausgeliefert sein.

Seewechsel

Kurz entschlossen ging es zurück an jenes Gewässer welches ich mittlerweile sehr gut kannte und mir einige gute Fische in jüngster Vergangenheit bescherte, mein „PB Gewässer“. Mit der Polbrille ging es als erstes am Ufer entlang, um eventuell Fische im Gewässerareal zu erspähen. Es dauerte nicht lange bis wir den ersten guten Fisch unter einem umgestürzten Baum sahen. Bevor uns die Schlechtwetterfront in der Nacht erreichen sollte, blieb uns noch genug Zeit unsere Rigs an vielversprechende Plätze auf Sicht abzulegen. Im Morgengrauen bekam ich einen Biss den ich völlig entschlossen als einen Wels abtat. Leichtfertig fuhr ich mit völlig loser Schnur, rudernd dem Fisch entgegen, um ihn aus der Reichweite meiner anderen Schnüre zu bekommen…das wär‘s auch noch wenn ein Wels meine ganzen Schnüre wegrasieren würde… Ich überruderte den Fisch, um in sicherer Distanz zu den Schnüren Kontakt aufzunehmen. Ich guckte nicht schlecht als ich im Kopflampenlicht den Umriss eines Karpfens sah. So irrt man sich und ich drillte doch etwas konzentrierter den torpedoförmigen Fisch aus. Noch während ich die Rute erneut ablegte, setzte der Regen ein der den kompletten Tag anhalten sollte und unsere Stimmung wieder ordentlich drückte.  Wir „feierten“ unterm Schirm in meinen Geburtstag, bevor Christoph am nächsten Morgen die Heimreise antreten musste. Ich bekam am Nachmittag den nächsten Besuch von meinem Freund Bruno aus der Heimat. Mit ihm wollte ich für drei Wochen verschiedene mir teils unbekannte Gewässer beangeln.

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Liebe Grüße,
Daniel & Alex

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