Roadtrip mit unangenehmen Symptomen

Drei Wochen gemeinsames Fischen mit Kumpel Bruno, drei Wochen Roadtrip durch Zentralfrankreich, neue Gewässer befischen und mal wieder etwas anderes vom Land sehen, so war mein Plan als mich mein Freund vor 3 Wochen im Süden besuchen kam. Bevor es losging blieben wir noch eine Nacht am Gewässer, welches ich zuletzt noch mit Christoph beangelt hatte. Ich wollte meinem Freund nach 15 stündiger Fahrt nicht noch längeres Autofahren zumuten.

Nach einer erfolglosen Nacht packten wir am nächsten Morgen mein nasses Tackle ins Auto und machten uns auf den Weg Richtung Toulouse. Hier planten wir den ersten Stopp und wurden nach zwei Fehlanläufen an anderen Seen, die ich vorher ausgesucht hatte, am dritten Gewässer endlich fündig. Ein kleiner Altarm mit Verbindung zu einem Fluss, der aktuell Hochwasser führte, weckte unser Interesse, dort unser Glück zu versuchen. Außer einem etwa 1,50m langen Wels für Bruno hatten wir dort in 2 Tagen keine Aktion…zum Glück, denn mich erwischte plötzlich ein Magen- Darm Infekt, der mich völlig handlungsunfähig im Bett meines Bullis verweilen ließ. Ich schob diese krassen Symptome auf mein gefiltertes Wasser, dass diesmal eventuell etwas verunreinigter war. Zum ersten Mal wusste ich wie es ist, im Van lebend einer Krankheit ausgeliefert zu sein. Es ging mir hunde-elend und war enorm geschwächt. Nach einer unangenehmen Nacht fühlte ich mich am dritten Tag wieder in der Lage hinterm Steuer zu sitzen und etwas weiter zu fahren.

Weiter in Richtung Zentralmassiv, wo sich die mediterrane Vegetation in eine bergige Mischwaldregion verwandelte. Ich kannte diese Region von meiner Reise im letzten Jahr und habe seither nicht selten von der Landschaft geschwärmt. Einige interessante Gewässer hatte ich damals gefunden, die ich mir diesmal genauer anschauen wollte…

Nachdem wir den halben Tag mit den Autos unterwegs waren, hielten wir am Abend an einem kleinen Stausee, der auf unserem Weg lag. Die Slipstelle bot den einzigen Zugang zum sonst sehr steil abfallenden Seeufer. Dort parkten wir direkt auf der grünen Wiese und ich fühlte mich weder in der Lage meine Ruten auszulegen noch verspürte ich die Lust dazu. Ich wollte einfach nur noch meine Ruhe haben und mich ins Bett meines Van’s legen. Bruno platzierte in der Zeit hochmotiviert seine Ruten in dem schmalen fast schon flussähnlichen Seeteil.

Tief in der Nacht bemerkte ich durch die offene Schiebetür Aktion an einer von Bruno’s Ruten. Kurze Zeit später bewegte ich mich aus meinem Bett um den ersten Karpfen seiner Tour abzulichten, und dann direkt eine richtige Beauty. Ich freute mich für ihn, wenn ich ihm in den letzten Tagen schon nicht in bester körperlicher Verfassung und guter Laune Gesellschaft leisten konnte.

Eine andere Wendung

Mit schon deutlich besserer Gefühlslage ging es am nächsten Morgen direkt weiter, noch tiefer ins Zentralgebirge. Abenteuerliche Wege wie ich sie noch vom letzten Jahr in Erinnerung hatte, ließen uns nur langsam vorankommen. Fast den ganzen Tag verbrachten wir mit der Location und dem suchen von Nachtangelzonen an einem von mir vorher anvisierten Gewässer.

Wiedermal bemerkte ich in den folgenden Tagen das dieses „Roadtripping“ zu gerne vereinfacht dargestellt wird. Hat man jedoch nur wenige Gewässerinformationen und möchte an teils sehr großen, unbekannteren Gewässern angeln die durch allerlei undurchsichtiger Regelungen eingeschränkt werden, kommt man schnell der Verzweiflung nahe und aus dem Roadtrip wird schnell eine Irrfahrt die eine ganz andere Wendung nehmen kann.

Den folgenden Tag waren wir mit dem umherirren an unterschiedlichsten Gewässern beschäftigt. Alleine das umfahren eines verzweigten, mehrere hundert Hektar großen Stausees dauert seine Zeit. Die ganze Sache schien eine unschöne Wendung zu nehmen, alle Entscheidung und Erwartungen für den Verlauf unseres gemeinsamen Trips, und damit auch der drei wöchige Urlaub meines Freundes lagen in meiner Hand. Ich fühlte mich in der Verantwortung und Bruno verließ sich auf mein Tun. Die nötige Kenntnis und das Wissen hatte ich nicht- Nicht in dieser Region, dass musste ich mir eingestehen.

Da ich in einer anderen Situation stecke stört mich das Lokalisieren oder das häufig ergebnislose suchen nach neuen Spots an unbekannten Gewässer absolut nicht- im Gegenteil mir macht es sogar Spaß und die vielseitige und abwechslungsreiche Art des Reisens treffen genau meinen Geschmack und verleihen der ganzen Sache einen abenteuerlichen Charakter. Ich muss nicht ständig und überall angeln und bin auch völlig zufrieden, wenn ich einfach an einem wunderschönen Platz in der Natur parken und die Ruhe genießen kann. Etwas egoistisch zu glauben das dies auch meinem Besuch gefallen könnte…schließlich sieht die Situation der meisten Leute etwas anders aus und ihnen steht nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, die sie natürlich (bestenfalls erfolgreich) – angelnd verbringen wollen.

Der Plan geht über Bord

Mit stetig zunehmender, innerer Unausgeglichenheit warf ich meinen abenteuerlichen Zentralfrankreichplan nach etlichen Stunden hin und her Fahrerei und anstrengender Suche kurzerhand über den Haufen und ich schlug den Rückzug vor. Erneut zwei Stunden Fahrt in eine mir doch etwas bekanntere Region lagen vor uns und ließen mich auf eine ausgeglichenere, entspanntere Zeit hoffen. Eine Zeit in der ich mal wieder etwas Sport machen konnte, ein wenig am Laptop schreiben wollte und Bruno hoffentlich zum ersehnten Fisch kommen würde. Noch immer am Anfang des Zentralmassivs trafen wir Nachmittags am Ziel an. Ein Stausee den ich von Karpfenanglern stärker frequentiert vermutete, dann aber positiv überrascht war als eine sehr interessante Stelle auf einer Landzunge frei war. Ohne lange zu überlegen wählten wir den schnell zu erreichenden Platz aus. Wir wollten eine Weile am See bleiben und konnten diesen später noch genauer inspizieren um eventuell zu moven.

Guter Start

Schon während der Spotsuche konnten wir zwei Karpfen im Steilufer entdecken. Damit war klar wo wir den Großteil der Ruten ablegen wollten. Keine drei Stunden später lief eine Rute von Bruno ab, der noch mit dem Fang unseres Abendbrots beschäftigt war. Ich nahm die Rute auf und übergab sie als Bruno die Situation realisierte. Ein schöner Spiegler schnappte sich den Poppi im knietiefen Wasser der Steinpackung. Einige Minuten später: Der nächste Biss am anderen Ufer. Ein praller Spiegler fand den Weg in den Kescher. Bis um 0 Uhr waren wir durch zwei weitere Fehlaktionen voll beschäftigt, die das Abendbrot mit dem frisch gefangenen Barsch immer mehr nach hinten verschoben. Die zweite Nachhälfte verlief kurioser Weise ohne jeglichen Piep.

Warme Tage

Der nächste Tag war einer der wärmsten Tage des Jahres für mich und ich verbrachte diesen in der Sonne schmelzenden vor dem Laptop. Nicht unbedingt das beste Wetter für das erfolgreiche Angeln, daher vertrieben wir uns unter anderem die Zeit mit Baden und dem gezielten Ablegen unserer Montagen im Tauchgang. Genauer geht es nicht- also präsentierten wir die meisten Montagen von Hand abgelegt an interessante Spots.

Zwei Fische konnte ich in dieser lauen Sommernacht fangen. Beide Fische bissen wieder im flachen Uferbereich. Anscheinend zogen die Karpfen sehr nah an den steilen Ufern entlang Richtung Schongebiet um sich dort zum Laichen zu versammeln. Tatsächlich leitete das sommerliche Wetter  die Laichzeit ein und an vielen Gewässern der Region waren die Fische nun mit anderen Sachen beschäftigt als mit der Nahrungsaufnahme. Das machte sich auch deutlich an unserer Bissfrequenz bemerkbar und wir bekamen immer weniger Aktionen an unseren Ruten. Wir konnten genau beobachten wie die Fische neben uns im Schongebiet mit dem Liebesspiel beschäftigt waren, also wollten wir uns nach 4 Nächten und 7 Fischen einen neuen Plan überlegen. Ich recherchierte schon im Voraus welche Gewässeroptionen uns in der Nähe zur Verfügung standen. Am ersten See der neuen Route mussten wir feststellen das die Fische gestapelt im Schongebiet standen und damit in weiter Ferne zur ersten erlaubten Angelstelle. Also ging es weiter, ich hatte ja noch Plan B und C in der Hinterhand.

Freiheit und Abenteuer

Etwa zwei Stunden später erreichten wir einen über 1000 Hektar großen, verwinkelten Stausee an dessen Ufer ich letztes Jahr schon zweimal stand, jedoch nie die Lust verspürte dort zu fischen. Glücklicherweise wusste ich noch einige Zufahrtswege ans Ufer, so mussten wir keine Zeit mit der Suche nach diesen verbringen. Ein abenteuerlicher Waldweg der an eine wunderschöne, paradiesische Stelle führte, ließ Kumpel Bruno beim hinabfahren zuerst zögern. Ich bin da mittlerweile etwas abgebrühter was das fahren solcher Wege angeht und tue anfängliche Skepsis gern mal mit einem: „Ach das geht schon“ ab. Wir rollten langsam und konzentriert den zerstörten Weg hinab bis an die traumhafte Stelle direkt am Wasser. Bruno meinte nur: „Hier kommen wir nie wieder hoch“ !!, darüber wollte ich mir aber erst Gedanken machen, wenn es soweit wäre.

Ich war direkt Feuer und Flamme mit dem Gewässer und machte mich direkt an das Ruten legen. Das Angeln an großen Gewässern bedeutet für mich Freiheit und wildes Angeln mit unbekannten Fischen. Mein Freund dagegen war nicht ganz so optimistisch und konnte meine Euphorie anfangs nur schwer folgen. Nach dem ersten Fisch der bei ihm schon nach nur 2 Stunden biss war jedoch auch er etwas sensibilisiert und wir beide waren ziemlich überrascht wie schnell es an diesem See gehen konnte.

Gerade im Frühjahr sind interessante Bereiche in großen Gewässern relativ schnell per Google Maps eingegrenzt. Das wusste ich schon von meiner Angelei an den großen Norddeutschen Naturseen. Die Fische sammeln sich in flachen Buchten oder seichten Bereichen des Sees und man kann sie dort teilweise sehr schnell finden. In keiner anderen Zeit im Jahr ist das „Großgewässerangeln“ so einfach wie im Frühjahr.

4 Fische konnten wir in der ersten Nacht fangen und einer war schöner als der andere. Die Fische waren hier noch nicht so weit wie an den umliegenden, kleineren Gewässern an denen die Fische zu dieser Zeit hauptsächlich mit dem Laichen beschäftigt waren. Das war unser Glück und wir konnten in den folgenden 3 Tagen noch vier weitere Fische fangen. Die Aktionen konzentrierten sich auf ein kleines Areal das aus überschwemmten Büschen und angeschwemmten Hölzern bestand. Hier sammelten sie sich für das Laichgeschäft was sie noch vor sich hatten. Es war klar erkennbar, dass die Fische zunehmend vorsichtiger wurden und die Bissfrequenz nach einigen gefangen Fischen auf dem Spot stark abnahm. Die Fische waren beim ablegen der Ruten im klaren, flachen Wasser zwar häufig auf den Spots zu sehen aber die Futterplätze wurden mit größer werdender Sorgfalt immer langsamer leer gefressen. Als uns am dritten Tag mal wieder ein heftiger Wetterumschwung überraschte bei dem der kalte Wind, die Temperaturen tagsüber in den einstelligen Bereich stürzen ließ und es sich zunehmend einregnete, waren wir gespannt wie die Fische darauf reagieren würden!?

Zu dieser Zeit waren in meiner Heimat in Deutschland Temperaturen über 30 Grad und ich wünschte mir kurzzeitig dort zu sein. Die Wetterprognose für die nächste Woche sah in dieser Region nicht gerade besser aus und ich suchte auf meinem Smartphone nach Alternativen. Nachdem auch die Aktionen immer mehr ausblieben und sich diese die meiste Zeit sowieso nur auf einen Spot beschränkten, beschlossen wir zurück in südlichere Gefilde zurückzukehren.

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Liebe Grüße,
Daniel & Alex

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