Weg von dem Ostertrubel

Als Michael und ich nach unserer gemeinsamen Session am Nachmittag mit dem Einladen unserer Autos fertig waren, wollte ich mir zwei neue Gewässer in der Umgebung anschauen. Sie sollten nur zwei wichtige Kriterien erfüllen: Weniger Wind und eine gute Erreichbarkeit mit dem Auto. Da gerade Osterwochenende war und wir beide einige Einkäufe zu erledigen hatten, entschlossen wir uns noch eine Nacht zusammen an einem See zu verbringen, den ich bei meiner kleinen Gewässertour ausfindig gemacht habe.

Hier wollten wir ohne viel Aufwand die Zeit bis zum nächsten Tag überbrücken um am Ostermontag – an dem hier die meisten Supermärkte bis zum Mittag geöffnet hatten – einkaufen zu gehen und uns Gasflaschen zu besorgen, die bei uns beiden aufgebraucht waren. Ein Auffüllen der deutschen Propangasflaschen ist in Frankreich nicht möglich, da aber noch in vielen Haushalten Frankreichs mit Gas gekocht wird, ist die Verfügbarkeit verschiedener Gasflaschen hier um einiges leichter als in Deutschland; die Stimmigkeit mit den deutschen Systemen leider dafür umso weniger. Auch wenn ich mir im Voraus extra „Euroadapter“ für diesen Zweck zugelegt habe, waren diese für die neu erworbene Gasflasche nur wenig hilfreich und ich musste mir zur Flasche noch einen extra Schlauch besorgen, den ich an meinen Kocher im Auto schließen konnte.

Da dieser Gas-wirrwarr einiges an Zeit in Anspruch genommen hatte, waren alle Geschäfte um die Mittagszeit geschlossen und mein Kocher lief – durch einen fehlenden Anschluss immer noch nicht. Also musste ich bis zum nächsten Werktag die Zeit erneut irgendwie überbrücken.

Zusammen mit Michael schaute ich mir noch zwei Gewässer in der Gegend an um mich dann am letzteren, mir schon bekannten niederzulassen. Hier trennten sich unsere Wege und Michael fuhr wieder etwas zurück Richtung spanischer Grenze, um etwas Gewässer Location zu betreiben. Wir wollten uns beide ein wenig aus dem „Ostertrubel“ an vielen Gewässern in der Region verziehen.  

Kurzsession am „Holzsee“

Ich wollte nur einen gemütlichen Platz für 1-2 Tage haben, um etwas Zeit Tod zu schlagen. Da ich in vergangener Zeit einige „Materialpannen“ hatte war ich etwas an die Region um Toulouse gebunden, da die Adresse meines Freundes Sebastien die Lieferadresse für die Ersatzteile war, die ich in den nächsten Tagen hoffentlich geliefert bekommen sollte.

Wie für den See typisch fegte mal wieder ein kräftiger Wind übers Wasser. Nicht unbedingt die Wetterbedingungen die ich nach den letzten Tagen brauchte. Gottseidank fand ich eine Stelle, die im Windschatten gelegen war und mir ein entspanntes Angeln ermöglichte. Die erste Nacht verlief ruhig und ich konnte den Vormittag nutzen, um einige Sachen am Laptop zu erledigen, die in letzter Zeit etwas zu kurz kamen. Ich hatte absolute Ruhe und bekam von dem stürmischen Wetter in meiner Wind geschützten Ecke nicht viel mit. 

Nach der aktionslosen ersten Nacht und einem ruhigen Tag hatte ich am zweiten Morgeneinen einen brutalen Biss, den ich im Hook and Hold Style von den Bäumen fernhalten konnte. Da ich schon letztes Jahr zweimal an diesem Gewässer war, wusste ich wie ich dort vorzugehen habe, ohne die Fische Reihenweise zu verlieren, wie es oft der Fall zu sein scheint, wenn man sich hier mit anderen Anglern unterhält. Nachdem ich den Fisch sicher landen konnte, fotografierte ich zufrieden einen makellosen Spiegler den ich auf schnellstem Wege wieder zurück ins Türkis farbene Wasser entließ. 

Worte zur Hindernisangelei

Ich schlafe und bewege mich beim Angeln vor Hindernissen immer in unmittelbarer Nähe zu den Ruten, tatsächlich befinde ich mich dabei nie in einem Tiefschlaf was die ganze Angelei nach einigen Tagen etwas ermüdend macht. Bei jedem Piep sitze ich im Bett und bin Reaktionsbereit. Die Rute ist dabei fest angeschnallt und befindet sich in gerader Linie zum Hindernis. Die Bremse ist komplett geschlossen, nur der Swinger lässt ein paar Zentimeter Spielraum. Ordentlich dicke Schlagschnur mindestens 0,60iger- besser höher, sorgen für ein wenig Dehnung damit das Schlitzen des Hakens vermieden wird. Als Montage kommt dabei wie so oft meine Steinmontage mit einem 50er Monovorfach und extrem robusten vierer Haken zum Einsatz. Beim Biss dreht der Fisch vom Hindernis ab oder kommt direkt an die Oberfläche. Ich laufe einige Meter nach hinten, da das normale Heranpumpen beim Rute ablassen schon wieder eine Möglichkeit bieten würde dem Fisch Anlauf holen zu lassen. Diese erste Flucht muss bei dieser Angelei unbedingt verhindert werden. Dieses „Anlauf holen“ wäre in den meisten Fällen der Verlust da man vor allem große Fische nicht mehr stoppen kann und der Fisch entweder im Hindernis festhängt, der Fisch durch noch höheren Druck ausschlitzt oder das Material nicht standhalten würde. 

Das allerschlimmste ist es für mich, wenn die Fische sich in einem Unterwasserhindernis festsetzen und man dabei einen komplett Abriss erleidet. Man weiß nie genau ob sich der Fisch befreien kann und was für Verletzungen er dabei von sich trägt. Dieses Thema wird gerne unter den Tisch gekehrt und man redet sich ein das der Fisch ohne große Schäden davon kommt…Manche Fische sehen leider ganz anders aus… Daher sollte man sich immer im Vorhinein ganz klar möglicher Konsequenzen bewusst sein die das Hindernisangeln mit sich bringt und die Situation Objektiv einschätzen ohne dabei die „Fischgier“ siegen zu lassen.

Ich möchte mich absolut nicht als den perfekten Hindernisangler darstellen, jedoch habe ich in der Vergangenheit – auch in der Heimat – viele solcher „Hook and Hold“ Situationen vorgefunden und dabei häufig Lehrgeld zahlen müssen. Diese teilweise auch negativen Erfahrungen haben mich diese Art der zu angeln aus einer anderen Sicht betrachten lassen, sodass ich heute objektiv und realistisch Entscheidungen treffen kann ob es in der jeweiligen Situation überhaupt einen Sinn macht an bestimmten Spots zu fischen, ohne dabei einen größeren Verlust zu riskieren.

Doch ein paar Tage länger

Nach dem Fisch am Morgen blieb es den Tag über ruhig und ich entschied mich noch eine weitere Nacht zu bleiben. Ich fühlte mich an diesem Platz sauwohl und das endlich mal wieder besser werdende Wetter am dritten Tag ließ mich noch etwas ausharren. Nach einem relaxten Tag in der Hängematte zog sich der Himmel am Abend auf gefährliche Weise zu. Das grollen in der Ferne brachte mich dazu alles „Unwetter sicher“ zu machen. Da der Wind an diesem See imposante Geschwindigkeiten annehmen kann, war ich nicht sicher wie es im Falle eines Gewitters aussehen würde. In meinem Fall hatte ich das Auto unmittelbar am Angelplatz und ich konnte mein Material im Auto verstauen. So hatte ich noch genug Zeit mit der Kamera im Wind rumzurennen und Fotos zu knipsen. Der See schien das Gewitter aufzuspalten oder umzuleiten. Ein Effekt den ich hier im Süden schon häufig erlebt habe. Außer einem kurzen Hagelschauer und ein paar ordentlichen Böen blieb ich weitestgehend verschont. Ein Fallbiss den ich leider nicht „verwerten“ konnte waren die Folge des kurzen Wetterwechsels. Dafür konnte ich in der Nacht noch einen wunderschönen Spiegler fangen. 

Aus der ursprünglich geplanten Kurzsession wurde dann doch fünf Tage und ich entschied mich nach der erfolgreichen Nacht meine Sachen zu packen und meinen Freund Sebastien zu besuchen der gerade eine Woche „Familienfrei“ hatte- die er natürlich angelnd am Wasser verbrachte.

Als ich die ersten Meter des Feldweges vom Gewässer fuhr war mir das Ausmaß des Gewitters am Vortag noch nicht bewusst. In einer leichten schräge machte sich der aufgeweichte Boden jedoch bemerkbar und zeigte mir wieder einmal wie machtlos ich mit meinem überladenen „Fronttriebler“ war. Da nützen auch die grobstolligsten Reifen nichts, wenn durch den Schlamm das komplette Profil zugesetzt ist. Nach einigen erfolglosen Anläufen war der Weg so aufgewühlt das ich trotz getretener Bremse den Weg einfach unkontrolliert wieder hinunter schlitterte, Verdammt!! Ich sammelte mir schonmal einige Französische Worte zusammen um einem Bauern nach Hilfe zu fragen. Als ich schon Richtung Straße lief um Hilfe anzuheuern viel mir ein fast zugewachsener kleiner Weg über den Acker auf der noch ein wenig fester schien. Nun gut also noch einen letzten Versuch.

Ich holte noch einmal Anlauf und wühlte mich tatsächlich Erfolgreich die letzten Meter Anstieg auf die asphaltierte Straße herauf.

Man wie sehr wünschte ich mir in solchen Situationen einen Allrad ….

Das Gasproblem

Auf der betonierten Straße konnte ich meine Reifen wieder vom Schlamm befreien und fuhr zur nächst größeren Stadt um hier einen „Bricomarche“- einen französischen Baumarkt zu besuchen,  mein Gasproblem war schließlich immer noch nicht gelöst.

Circa zwei Stunden später und nervlich überstrapaziert, hatte ich zumindest die Gewissheit das es einen solchen Schlauch inklusive Adapter für meinen deutschen Kocher in Frankreich nicht gibt. Lediglich ein durchtrennen meines vorhandenen Schlauches und die Montage des Anschlusses für die französische Gasflasche – mittels Schlauchschelle wurde mir von einem freundlichen Baumarkt Mitarbeiter geraten. Sicher nicht die „feinste“ Lösung aber blöd fand ich die Idee nicht, also besorgte ich mir eine passende Schlauchschelle um mein Problem endlich in den Griff zu kriegen. 

Am Nachmittag bei Sebastien am See wurde das Gasproblem dann in Angriff genommen und mit ein wenig Gefummel brannte der Zweiflammenkocher wieder. Das Kochen mit üblichen Gaskartuschen wurde auf Dauer einfach zu teuer und der günstigere Benzinkocher war eines der Utensilien die in letzter Zeit den Dienst quittierten und auf dessen Ersatzteillieferung ich sehnsüchtig wartete.

Zwei Angelfreie Tage

Zwei Tage verbrachte ich bei Sebastien, der zusammen mit seinen Hunden seinen Familienfreien Urlaub am Wasser zelebrierte. Ich machte in dieser Zeit eine kleine Angelpause da der Bereich nicht die Möglichkeit bot dort zu zweit zu angeln. Nach etwa 1,5 Monaten fast kontinuierlichem Angeln war ich nicht böse Sebastien einfach nur beim fotografieren und keschern der Fische zu unterstützen. 

Nach entspannten zwei Tagen die ich einfach nur bei Sebastien herum saß fühlte es sich irgendwie doch etwas nach vertaner Zeit an. Also plante ich am zweiten Abend den nächsten Tag zurück an mein „PB“ Gewässer zu fahren an dem ich vor einer Woche mit Michael die Flucht vor dem Wetter ergriff. Anhand der guten Wetterprognose für die kommenden Tage wollte ich diesmal einen anderen Bereich als beim letzten Mal beangeln…

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Liebe Grüße,
Daniel & Alex



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