Treffpunkt Rotes Land

An einem Donnerstagabend vor zwei Wochen hatte ich nach vier angelfreien Tagen genug vom Strand und Touris, die sich durch die beginnende Ferienzeit langsam an den schön gelegenen Orten Südfrankreichs, direkt am Mittelmeer, versammelten. Das Ziel für die kommende Zeit stand fest. Also begab ich mich in Richtung Teufelssee- einer der wohl bekanntesten Seen in Südfrankreich, den ich während meiner Tour im letzten Jahr dreimal besucht hatte.

Auf dem Weg dorthin hielt ich am Abend an einem kleinen Fluss, um dort eine Nacht aus dem Auto zu fischen. Diese gut erreichbare Stelle kannte ich schon vom Frühjahr, als ich in dieser Region neue Gewässer erkundete. Leider ging diesmal, im Gegensatz zum Frühjahr, überhaupt nichts, sodass ich nach einer Nacht beschloss, direkt weiter zum eigentlichen Ziel zu fahren. Am Abend kam ich dann im „Roten Land“ an und gesellte mich zu einigen Campern, die am See oft zahlreich vertreten sind. Angeln wollte ich diese Nacht nicht mehr, da ich am nächsten Tag erstmal die Lage am See checken wollte.

Mit meinem Klapprad ging es am nächsten Morgen den teils felsigen Wanderweg entlang, der maximal für Mountainbiker geeignet war. Am Ende verfluchte ich meine Idee, das Fahrrad für die Locationrunde zu nehmen, weil ich es das Steilufer hinauf zum befestigten Weg tragen musste. Bei fast 40 Grad kam auch ich als sportliche Person ordentlich ins japsen. Zumindest hatte ich anschließend Gewissheit über die derzeitige Lage am See und war überrascht wie wenig Andrang dort aktuell herrschte. Nachdem ich mich wieder akklimatisiert hatte, fuhr ich an eine Slipstelle, von der ich den Seeteil, den ich mir vorher mit vollem Körpereinsatz angeschaut hatte, am schnellsten zu erreichen. Ich entschied während des Übersetzens aus dem Bauch heraus an welchen Platz ich mich als erstes setzen wollte. Dabei fiel die Wahl auf einen mir unbekannten Bereich im Steilufer. Nicht unbedingt die komfortabelste Stelle. Da mein Kumpel Michael aber erst am nächsten Abend kommen sollte, wollte ich es dort solange alleine probieren.

Ein seetypischer Schuppi war mein Wecker am ersten Morgen. Kurz bevor Michael am späten Abend die Stelle erreichte, konnte ich einen weiteren kampfstarken Schuppi landen. Dafür, dass das Wetter in der letzten Zeit absolut nicht fischträchtig erschien, lief es doch auf Anhieb gar nicht so schlecht. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten meiner Stelle, entschieden wir uns ohne weitere Aktionen in der zweiten Nacht den Platz zu wechseln.

Krautchaos

Wir blieben im selben Gewässerbereich, jedoch war unsere neue Stelle deutlich komfortabler. Die Bäume sorgten für angenehmen Schatten und die Spots boten genug Raum um 8 Ruten weitläufig zu verteilen. Genauso hatten wir uns diese Session vorgestellt: Bombenwetter, Baden im traumhaften Wasser mit wunderschöner Kulisse und ab und zu einen Fisch drillen – einfach nur den Südfranzösischen Sommer genießen. Fast perfekt – bis zum Zeitpunkt als wir durch den aufgekommenen Wind arge Probleme mit unseren ausgelegten Ruten bekamen: Große Krautfelder wurden von den Wellen in unsere Schnüre gedrückt, was selbst unsere schweren Steinmontagen zwangsläufig verrückte.

Durch die utopisch hohe Wassertemperatur von 29 Grad hatte das Kraut in diesem Jahr am See stark zugenommen und erschwerte an vielen Stellen die Angelei erheblich. Trotz der Krautprobleme konnten wir an diesem Platz drei Karpfen fangen.

Grenzwertiger Move

Nach der zweiten Nacht wechselten wir allerdings erneut den Platz, da durch den zunehmenden Wind das Angeln kaum noch möglich war. Ungünstigerweise erschwerte der Wind auch das Übersetzen ungemein. Anfangs war ich noch guter Dinge, schließlich sind 30km/h Windgeschwindigkeit ja noch locker machbar – dachte ich. Schon nach kurzer Fahrt bemerkte ich, dass dem nicht so ist und mein geschändeter 44lbs E-Motor bewegte das beladene Boot nur in Zeitlupe gegen die halbmeterhohen Wellen.

Auf einem großen Seekörper können sich schon bei „geringeren“ Windgeschwindigkeiten beachtliche Wellen bilden, die man besser nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Mir war bei dieser mehr als 3 Km langen Übersetzaktion, die sich mit kurzem Zwischenstopp über mehrere Stunden zog, teilweise alles andere als Wohl und ich fühlte mich als säße ich in einer kleinen Nussschale, die den Wetterbedingungen völlig ausgeliefert war. Wären die Wassertemperaturen nicht so angenehm warm gewesen, hätte ich die Aktion vermutlich abgebrochen.

Doch kein Wels

Gott sei Dank reichten unsere Akkus bis zum neuen Platz, an dem wir uns zu allererst eine ordentliche Mahlzeit gönnten. Im Dunkel werden legten wir mit abflauendem Wind, die letzten Ruten und verabschiedeten uns gegen 2 Uhr zuversichtlich auf unsere Liegen. Nicht einmal 20 Minuten später wurde ich von einem Dauerton aus dem Dösen gerissen. Der Fisch hatte ordentlich Power und ich dachte direkt an einen Wels, der im Tiefen seine Bahnen zog – schließlich hatte ich in den letzten Tagen schon drei dieser Sorte gefangen. Als ich im Schein der Kopflampe die Flanke eines Spieglers aufleuchten sah, reduzierte ich den Druck auf die Rute. Ich schöpfte nach einem guten Kampf den massiven Fisch ab. Michael, der schon am Ufer auf mich wartete, freute sich über den ersten Spiegler der Session genauso wie ich und wir leiteten direkt eine Fotoserie ein, um anschließend noch eine „Mütze“ Schlaf zu bekommen.

Der Wind nahm an den folgenden Tagen erneut zu und wir waren verwundert, dass die Fischaktionen es nicht auch taten. Außer ein paar weiteren Welsen und einer Schleie konnten wir in den drei Nächten, die wir durch den Wind zwangsläufig an den Platz gebunden waren, keinerlei Karpfen mehr fangen.

Nach 9 Tagen am See, die wir an drei verschiedenen Stellen verbrachten, stand für uns der Aufbruch an. Michaels dreimonatige Tour durch Frankreich neigte sich dem Ende zu und er musste die Heimreise antreten. Ich persönlich merkte in letzter Zeit wie die benötigten Pausen zwischen den Angeltrips immer häufiger wurden und entschied mich ebenfalls fürs Weiterreisen. Ohnehin plante ich Ende Juli eine Auszeit meines Auslandstrips, da einige feierliche Termine in der Heimat anstanden.

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